Marcelo Mário de Melo über den Putsch am 31. März 1964: “Sie begannen zu schießen.”

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Marcelo Mário de Melo war 20 Jahre alt, als der Putsch in Brasilien passierte. Er studierte und war Mitglied der Kommunistischen Partei Brasiliens (PCB). Am 1. April 1964 ging er mit vielen anderen in Recife gegen die Putschisten und für den amtierenden Gouverneur Miguel Arraes auf die Straße:

“Schon am Abend des 31. begann der Putsch, als die Truppen von General Mourão Filho Minas [den Bundesstaat Minas Gerais] verließen. João Goulart gab keine Anweisung, Widerstand zu leisten. Erneut scheute er die Konfrontation. Ab dem 1. April gab es Hausdurchsuchungen, Verhaftungen. Es war ein Chaos. Geschäfte wurden geschlossen. Die Menschen rannten zu den Bushaltestellen. Es gab das Gerücht, dass im Hafen von Recife Waffen für den Widerstand verteilt würden. Im Hafen wurde damals noch alles mit den Händen gemacht. Es gab Tausende Arbeiter, die dort tätig waren. Die kommunistische Partei hatte in diesem Milieu viel Einfluss.

Und so machten sich viele auf den Weg zum Hafen  Ich auch. Wir waren etwa 300. Und wurden umzingelt von Marinesoldaten. Das dauerte 2 bis 3 Stunden, ohne dass eine einzige Waffe zu sehen war. Dann lösten wir uns auf. Es hieß, dass es eine Generalversammlung in einer Schule in der Rua do Hospício geben sollte. Wir gingen zu dieser Generalversammlung. Und gegen 3 Uhr nachmittags machte sich von der Schule aus ein Zug in Bewegung. In Richtung des Gouverneurspalastes. Es handelte sich um ein Zeichen der Unterstützung für Gouverneur Miguel Arraes, der im Palast umzingelt war.

Als wir auf dem Platz vom Diário de Pernambuco waren, folgend der Avenida Dantas Barreto kam uns die Polizei entgegen, kommandiert von einem Offiziellen des Heeres. Sie begannen zu schießen. Wir, mit der Nationalflagge – die Nationalhymne singend. Sie begannen, zu schießen.

Und die Leute sagten, sie würden nur in die Luft schießen, es wären Gummigeschosse. Doch als ich nach oben blickte, sah ich Mauerstücke abplatzen. Ich schrie: Leute, das sind echte Kugeln! Und wir begannen auseinander zu laufen, zu rennen. Und sie senkten ihre Waffen.

Jonas Albuquerque Barros, einer der jugendlichen Führer der Kommunistischen Partei und Ivan Rocha Aguiar, ein junger Kommunist aus Palmares, der gerade seine Aufnahmeprüfung zum Ingenieursstudium bestanden hatte, starben an jenem Tag.”

Auszug aus einem Interview vom Juni 2014.

Hier geht’s zum Video-Interview auf Portugiesisch.

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